Fünf Jahrzehnte Motorsport

Von Kriegsbeschädigtenfahrten zum Automobilsport

Vereinsgründungen sind heute keine Seltenheit. Sie erregen abgesehen von großen politischen Gruppierungen kaum noch großes öffentliches Interesse. Es wird wenig Notiz davon genommen, wenn diese Interessengilde bereits nach kurzer Zeit wieder von der Bildfläche verschwindet. Der Kreis Daun erlebte in den siebziger Jahren einen regelrechten Boom von neu gegründeten Motorsportclubs. Jeder größere Ort glaubte seinen eigenen Verein haben zu müssen. Attraktivere Ziele als die Konkurrenz des Nachbardorfes sollten erreicht werden. Existent von den Neugründungen sind bis heute jedoch nur noch wenige. Die meisten blieben auf der Strecke, überfordert von der eigenen, teilweise revolutionären Zielsetzung. Nicht selten endete das Clübchen in einem finanziellen Fiasko. Rein sportliche Erwägungen waren nicht gerade die Grundmaxime, den MSC Daun ins Leben zu rufen. Denn dagegen sprachen schon die äußeren Umstände. Der Vorsatz wurde nämlich nach dem zweiten Weltkrieg in der Kriegsgefangenschaft gefasst.

Die vom Krieg gezeichneten nicht vergessen

Niko Schramm entwickelte nach Beendigung der Gefangenschaft ein soziales Engagement, um Kriegsbeschädigten zu helfen. Zumindest einmal im Jahr sollte ein gemeinsamer Ausflug sie aus ihrer gewohnten Umgebung lösen. Dies war gewissermaßen die Geburtsstunde des MSC Daun. Man schrieb das Jahr 1952. Am 12. März erfolgte in der "Dauner Weinstube" die Gründung. Das Lokal wurde zum Treffpunkt der MSCler bis 1964. Zum ersten Vorstand gehörten Oskar Schlömer (1. Vorsitzender) Josef Schüller (2. Vorsitzender), Schriftführer Karl Anschütz, Schatzmeister Niko Schramm sowie die Sportwarte Hubert Gessner (Wagen) und Günther Knötgen (Motorräder). Bei der schwierigen Organisation der Kriegsbeschädigtenfahrten taten sich neben dem gesamten Vorstand ferner die MSC-Mitglieder Georg Anschütz, Heinz Bell sowie Arnold Saxler hervor.

Kriegsbeschädigtenfahrten bis Ende der 60er Jahre

Wie groß die Resonanz auf die Kriegsversehrtenfahrten war beweist die Tatsache, dass bis zu fünfzig Fahrzeuge von Clubmitgliedern und Freunden des Vereins gestellt wurden. Interessante Ausflugsgebiete waren das Ziel der Tagestouren. Wegen der Vielzahl der Fahrzeuge wurde die Kolonne von Motorradfahrern eskortiert. Die Kradfahrer sicherten auch gleichzeitig die Kreuzungsbereiche ab. Großen Einfluss auf die Gestaltung der Kriegsbeschädigtenfahrten hatten der damalige VdK-Geschäftsfährer Edmund Diederichs sowie seine Mitarbeiterin Frau Umbach. Finanzielle und organisatorische Unterstützung zur Durchführung der schnell nicht mehr wegzudenkenden Ausflüge wurde dem Club durch Dauner Geschäftsleute sowie dem ADAC zuteil. Die letzte Fahrt wurde am 19. Oktober 1969 abgewickelt.

Motorräder setzten erste sportliche Akzente

Die sportlichen Betätigungen des MSC Daun beschränkten sich anfangs auf Motorrad-Wettbewerbe. Beachtliche Erfolge konnten erzielt werden. Ob beim "1. Reiler Motocross" oder beim Rennen "Rund um die Kalkgruben Ahütte", die Dauner zählten zum engeren Favoritenkreis und zeigten vielen die Rücklichter ihrer Maschinen. Sogar Resultate kann die frühe Vereinschronik aufweisen: Bei der Luxemburger Meisterschaft wurde der zweite Mannschaftspreis erzielt. Josef Kaulen, Georg Anschütz, Herri Schlömer sowie Heinz Bell und Josef Blonigen bildeten die Erfolgscrew.

Heribert Schlömer und Günther Knötgen Geschicklichkeitsturnier auf Zimmers Wies
1. Reiler Motorcross
Heribert. Schlömer und G. Knötgen
Die Anfänge des MSC Daun
Geschicklichkeitsturnier auf „Zimmers Wies“

„Jot dannen, se kunn geleich. Vieropp sein zwei Preißen, die hon jewiss Rennmaschinnen", lautete die Ansage des Vorwagens. Gemeint waren damit Georg Anschütz und Herrl Schlömer. Mit ihren neuen Zweitakt-Zweizylinder Adler sorgten sie für Aufsehen. Man schrieb das Jahr 1952. Die sportlichen und gesellschaftlichen Aktivitäten wurden nicht nur von Clubs des ADAC Gaumittelrhein sondern auch von Vereinen aus der gesamten Bundesrepublik anerkannt. Zahlreiche Anfragen um Hilfestellung bei der Ausrichtung von Veranstaltungen richteten sich an die Adresse des MSC.

Von zwei auf vier Räder

Eine neue Epoche wurde Mitte der Sechziger Jahre eingeläutet. Das Motorrad machte immer mehr dem Auto Platz. Den Veranstaltungskalender füllten Geschicklichkeitsturniere und Orientierungsfahrten. Vor stets gut besuchter Zuschauerkulisse fanden auf dem Dauner Marktplatz Geschicklichkeitsturniere statt. Jedermann konnte seine Fertigkeiten hinter dem Steuer unter Beweis stellen.

Bockwurst und Punktesuchen

Punktesuch- und Orientierungsfahrten führten durch das gesamte Kreisgebiet. Bis zu 200 Kilometer mussten von den Teams zurückgelegt werden. Zwangspausen, in denen auch gleichzeitig ein Imbiss gereicht wurde, unterbrachen die anspruchsvollen Etappen. Ehe erst einmal ein Abschnitt in Angriff genommen werden konnte, mussten die Copiloten harte Arbeit leisten. Die Aufgabenstellung zum Finden der anzufahrenden Kontrollpunkte reichte von der reinen Streckenbeschreibung über Chinesenzeichen bis zu Koordinatenangaben. Hohe Anforderungen an die Besatzungen stellten die berüchtigten Nachtorientierungs- sowie die häufig bei Schnee und Eis stattfindenden Dreikönigsfahrten. Die gute Organisation lockte schon damals zahlreiche Mannschaften aus der Eifel-/Moselregion an.

Jagd um Pylone

Neben den reinen Orientierungsspezialisten kristallisierte sich eine kleine Gruppe von Slalomspezialisten heraus. Insbesondere die Gebrüder Karl-Heinz und Peter Gessner fuhren gute Ergebnisse heraus. Ihr Slalom Know-How brachten sie natürlich auch in den Club ein. Einige Wettbewerbe dieser Art konnten in der Folge in der Dauner Kaserne ausgerichtet werden.

Ende des MSC?

Ab Mitte der Siebziger Jahre nahm das Interesse an Motorsportveranstaltungen im Verein immer mehr ab. Schwierig war es auch, jüngere Sportfreunde zu begeistern. Selbst eine eigens zur Aktivierung des Nachwuchses ins Leben gerufene Mofa-/Moped-Rallye fand nur geringen Zuspruch. Das gleiche war bei Mofa -/Moped-Turnieren im Rahmenprogrammen des Radfahrturniers festzustellen. Bis 1981 schrumpfte der Club auf insgesamt 27 Mitglieder. Einzige Aktivitäten waren das traditionelle Fahrradturnier und eine in Zusammenarbeit mit der Stadt Daun ausgerichtete Internationale ADAC-Zielfahrt "Rund um den Dauner Becher". Bei der dreimal ausgeschriebenen touristischen Veranstaltung war die Kreisstadt jeweils als Endpunkt anzusteuern.

Generationenwechsel

Dem damaligen Vorsitzenden Franz Hellebrand ist es zu verdanken, dass der MSC Daun nicht aufgelöst wurde. In quartalsmäßigen Zusammenkünften im ehemaligen Clublokal "Hotel Gross" startete er zahlreiche Versuche, den Verein wieder zu einem Aushängeschild der Kreisstadt zu machen. 1981 gelang es dem nun schon seit Anfang der Sechziger Jahre die Geschicke der Motorsport-Gemeinschaft leitenden Franz Hellebrand, ein "neue", jüngere Generation zu begeistern.

Dem Nachwuchs eine Chance

Ein neuer Vorstand formierte sich bei der Jahreshauptversammlung am 9. Mai 1981. Jüngere Leute übernahmen leitende Positionen. Die Identifikation mit dem Verein ließ innerhalb kürzester Zeit die Mitgliederzahl auf über einhundert anwachsen. Beginn einer neuen sportlichen Ära war Ende 1981 eine interne Nachtorientierungsfahrt. Von den 28 gestarteten Crews erreichten lediglich drei (!) das Ziel. Das Ergebnis war Anlass, mehrere Beifahrerschulungen anzubieten. Reges Interesse an clubeigenen Orientierungsfahrten bestärkte und bekräftigt auch heute noch die Verantwortlichen, jährlich zwei bis drei "Mini-Rallye" abzuwickeln. In der Praxis wird hier das nötige Rüstzeug vermittelt, um auch bei auswärtigen Veranstaltungen fit zu sein.

Lauf zur Gaumeisterschaft

Erstes Glanzlicht der neuen Epoche war eine Ende Oktober 1982 durchgeführte große Nachtorientierungsfahrt. Als Partner und Sponsor für diese sowie für weitere Großveranstaltungen konnte der "Eifel-Ferienpark Daun" gefunden werden. Insgesamt 43 Mannschaften aus Nah und Fern stellten sich dem Starter. Schwierige Aufgabenstellungen mussten bei dem zur Gaumeisterschaft gehörenden Wettbewerb gemeistert werden. Die Realität war knallhart: Nur 14 Teams erreichten das Ziel in Wertung. „Härte war Trumpf“, „Lange Vorbereitungszeit zeichnete sich aus" lauteten anschließend einige Überschriften in Fachzeitschriften. Maßgeblich am Erfolg beteiligt waren über 120 MSC-Helfer. Die positiven Kritiken seitens der Presse sowie der Aktiven bescheinigten dem MSC Daun nach siebenjähriger Abstinenz wieder auf dem richtigen Weg zu sein. Neue, größere Aufgaben wurden geplant.

Die ersten großen Rallyes

Der Orientierungssport geriet immer mehr ins Hintertreffen. Rallyes mit auf Bestzeit zu bewältigenden Sonderprüfungen galt es zu organisieren. Den Sprung ins kalte Wasser" wagte das Clubmanagement 1984. Drei jeweils zweimal zu absolvierende Sprintprüfungen (Kombination aus Schotter und Asphalt) bildeten das sportliche Kernstück der ersten Dauner Rallye 200.

Das umfangreiche Organisationszentrum befand sich im Eifel-Ferienpark. Erstmals in der MSC-Geschichte wurden elektronische Rechner eingesetzt. Der Start war vor dem Clublokal "Zum Dorfbrunnen". Der finanzielle und personelle Aufwand war enorm, stellte alles bisher Dagewesene in den Schatten. Jede Sonderprüfung musste mit einem Arzt und Krankenwagen, Feuerwehr- und Abschleppdiensten sowie großen Funkketten besetzt sein. Insgesamt sicherten 140 Funktionäre die anspruchsvolle Strecke ab. Natürlich rekrutierten sich die Helfer nicht ausschließlich aus MSC-Reihen. Leitende Funktionen mussten von geschulten und geprüften Mitarbeitern besetzt werden. Hier zahlte sich die Kooperation mit anderen Vereinen (insbesondere dem Sportfahrer Team Hunsrück) aus. Die Premiere glückte vorzüglich. Selbst auf der finanziellen Seite - bei anderen Veranstaltern häufig ein Schwachpunkt - gab es kein Minus zu verzeichnen. Der Aufstieg in die "zweite Liga" des nationalen Rallyesports gelang. Auf Anhieb konnte für die nächste Auflage zwei Jahre später das im nationalen Sport hohe Prädikat "Lauf zum Deutschen Mobil-Rallye-Pokal" erzielt werden. Hinzu kamen noch Laufe zum Rhein-Rallye-Cup, der Gaumeisterschaft Mittelrhein, Eifelmeisterschaft sowie Kreismeisterschaft Ahrweiler. Beste Noten gab es auch 1986 bei der zweiten Auflage der Rallye 200. Die kritischen, von den Sportbehörden eingesetzten Sportkommissare, sowie die 78 Aktiven waren zufrieden. Mit den nach internationalen Richtlinien durchgeführten Veranstaltungen konnten wieder einmal Akzente gesetzt werden. Die großangelegten Sicherheitsmaßnahmen, verbunden mit einer reibungslosen Organisation, zahlten sich aus. Henning Wünsch, FIA-Observer, Begutachter von Europameisterschaftsrennen und selbst Organisationsleiter der Hunsrück-Rallye, bemerkte unter anderem in seinem Schlussbericht: "Einfach top- hier gibt es kaum noch etwas zu verbessern... Veranstalter anderer internationaler Rallyes sollten einmal in Daun hospitieren... "

MSC Daun bei der "Monte"

Auf eine stolze Bilanz kann der damalige Sportleiter Dieter Noellner sowie der jetzige heutige Sportleiter Karl Fries im internationalen Rallyesport zurückblicken. Das im In- und Ausland erworbene Know how sowie die Mitarbeit in der Organisation der Hunsrück-Rallye, wurde von der Crew in den Dauner Club eingebracht. Hervorzuheben sind auch 10 Starts bei der zur Weltmeisterschaft zählenden Rallye Monte Carlo. Tatkräftig unterstützt von MSC-Mitgliedem als Servicebegleitung steht als bestes Ergebnis ein 39. Rang zu Buche. Und dies mit dem PS-schwächsten Fahrzeug bei ca. 300 Bewerbern aus aller Welt.

Dieter Noellner und Karl Fries bei der Rallye Monte Carlo Dieter Noellner und Karl Fries bei der Rallye Monte Carlo
Dieter Noellner und Beifahrer Karl Fries bei der Rallye Monte Carlo

Meister auf zwei Rädern

ADAC Fahrradturnier in DaunTradition hat das bereits seit Jahren vor der Sommerpause auf dem Schulungsgelände im Verkehrsgarten durchgeführte Radfahrturnier. Kooperationsveranstalter waren die Kreisverkehrswacht Daun, der Gewerbe- und Verkehrsverein sowie die AOK Daun. Bereits 1969 fand das erste Turnier mit 59 Kindern statt. Von Jahr zu Jahr steigerte sich die Teilnehmerzahl. Pionierarbeit wurde auch hier geleistet. Obwohl zwischenzeitlich mehrere Nachbarorte Wettbewerbe gleicher Art durchführten, stand das Dauner Turnier nicht nur im Kreisgebiet an vorderster Stelle.

Teilnehmerzahlen von einhundert und mehr waren keine Seltenheit. Zahlreiche junge Radfahrer konnten als "Meister auf zwei Rädern" ausgezeichnet werden. Ihre Fertigkeiten stellten die Turniersieger bereits bei Gau- und Deutschen Meisterschaften unter Beweis.

Zum Kreis der Gründer zählte Franz Hellebrand.Als damaliger Verkehrsreferentgenoss der ehemalige Vorsitzende nicht nur beim ADAC Mittelrhein hohes Ansehen. Ihm, den Mitveranstaltern sowie der Dauner Geschäftswelt war es zu verdanken, dass das Radfahrturnier ein fester Bestandteil mit hohem Stellenwert im Veranstaltungskalender der Stadt Daun war.

Siehe auch Jubiläumsausgabe 35 Jahre MSC Daun